Warum Qualifizierung wichtig wird und was Mitarbeiter 4.0 können müssen

Dr. Franz Büllingen, Leiter der Mittelstand-Digital-Begleitforschung

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© Franz, Büllingen; industrieblick, Fotolia.com

Jede große technologische Innovation wandelt unsere Arbeit grundlegend. Sie verändert unsere Arbeitsmärkte, unsere Berufe und damit auch die erforderten Qualifikationen. Aktuell wandelt die digitale Revolution - mit schnellen Internetverbindungen, komplexer Sensorik, immer günstigerer und leistungsfähigerer IT sowie stetig smarter werdender Softwareintelligenz - die Arbeitsorganisation und Produktionsprozesse, ob in der Industrie oder im Dienstleistungssektor. Eine von der Bertelsmann Stiftung und der Stiftung Neue Verantwortung prognostizierte Entwicklung scheint düster: Der digitale Wandel wird den Arbeitsmarkt erheblich unter Druck setzen und die Nachfrage nach Facharbeitern (stark) sinken lassen.

Statt Schwarzmalerei lohnt ein analytischer Blick in die weiter fortgeschrittenen USA, der zeigt: Menschenleere Fabriken sind eine Dystopie - absolut unrealistisch! In den Vereinigten Staaten geht der Trend stattdessen zur Flexibilisierung und Qualifizierung: Bereits heute arbeitet ein Drittel aller Fachkräfte freischaffend. Sie verfügen über hochspezialisierte Fertigkeiten und Fähigkeiten. Tatsächlich steigt die Nachfrage nach Mitarbeitern, die im Umgang mit komplexer industrieller IT versiert sind. Im Klartext: Entgegen vieler Horrorszenarien bleiben der Mensch und seine Qualifikation auch im digitalen Zeitalter ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen. Doch was müssen Mitarbeiter künftig können? Und wo sollen die Fachkräfte herkommen?

Technisches Know-how und soziale Kompetenzen 80 Prozent der Unternehmen, die bereits auf dem Weg ins digitale Zeitalter vorangeschritten sind, fordern laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ein breites IT­Fachwissen und ­Kompetenzen von ihrer Belegschaft - angefangen von der Datenauswertung und ­-analyse bis hin zum Prozessmanagement. Neben dem technischen Know­how sind soziale Kompetenzen gefragter denn je. Denn 4.0­Unternehmen brauchen Angestellte mit ausgeprägten Kooperations­- und Kommunikationsfähigkeiten. Schließlich wird die Arbeit künftig flexibel organisiert, die Aufgaben werden in virtuellen und interdisziplinären Teams bewältigt. Diese sozialen und kommunikativen Kompetenzen braucht es auch, da die Anforderungsprofile verschiedener Branchen und damit die Denkweisen und Sprachen unterschiedlicher Disziplinen miteinander verschmelzen. Neue Berufe entstehen. Aus diesem Grund müssen die Mitarbeiter fähig zum interdisziplinären Denken und Handeln sein. Sie müssen als kommunikativ begabte Generalisten mit Weitsicht zwischen unterschiedlichen Fachwelten vermitteln und den Prozess der Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette managen. Ein Beispiel ist Industrie 4.0, in der die IT mit dem Maschinen­ und Anlagenbau verschmilzt. Entsprechend fachübergreifend müssen die Angestellten denken und zusammenarbeiten.

Wie man sich die Fachkräfte von morgen sichert

Das Beispiel der USA und der Blick auf die gefragten Kompetenzen und Fähigkeiten verraten, wie der Wandel zum 4.0­-Arbeitsmarkt im Sinne der Menschen und Unternehmen gestaltet werden kann: Wir müssen den Arbeitskräften von heute die Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die morgen erforderlich sind. Dafür benötigen wir eine Weiterentwicklung der innerbetrieblichen Lernprozesse sowie des außerbetrieblichen Aus­- und Weiterbildungssystems. Wir müssen das nötige Know­how und die Fähigkeiten stetig an die Belegschaften vermitteln, pflegen und weiterentwickeln.

Qualifizierung 4.0: Wo der Mittelstand steht

Viele Unternehmen beginnen zu verstehen, wie wichtig Qualifizierung für die 4.0­Arbeitswelt ist. Mit Ausnahme der Kleinstbetriebe wächst der Anteil weiterbildender Betriebe deutlich. Fast die Hälfte aller Firmen in Deutschland bildet ihre Beschäftigten weiter. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) engagieren sich jedoch oft nur sporadisch. Häufig werden sie erst aktiv, wenn der Fachkräftemangel sie dazu zwingt. Zudem konzentrieren sie ihre Maßnahmen auf Beschäftigte, die bereits über ein hohes Bildungsniveau verfügen. Angestellte mit eher einfachen Tätigkeiten kommen einem Kurzbericht des Instituts für Arbeitsmarkt-­ und Berufsforschung (IAB) zu Folge seltener in diesen Genuss.

Als Ursache geben laut dem Branchenverband Bitkom rund 36 Prozent aller Unternehmen die Kosten an. 31 Prozent der Betriebe bemängeln, dass sie die Passgenauigkeit der verfügbaren Angebote nicht beurteilen können. Der BMWi­Förderschwerpunkt Mittelstand-­Digital leistet Abhilfe: Er informiert die Betriebe über Chancen und Möglichkeiten, bietet zielgruppengerechte Informations­- und Weiterbildungsangebote und unterstützt Mittelständler bei der Entwicklung und Umsetzung betrieblicher Qualifizierungsprogramme - kostenlos.

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